Mal ehrlich: Wann hast du das letzte Mal in einem Wirtshaus gesessen, das dich komplett umgehauen hat? Wo der Schweinsbraten nicht nur „gut“, sondern perfekt war? Wo die Weinkarte dich erst ungläubig hat blättern lassen und dann komplett sprachlos gemacht hat? Falls du gerade überlegst, fällt dir vermutlich nichts ein. Kein Wunder – denn solche Orte gibt es kaum noch. Bayerns Wirtshäuser sind längst ausgedünnt, entweder weichgespült oder Touristenfallen mit Convenience-Küche. Aber dann gibt es das Gasthaus Zum Vaas in Forstinning. Und das ist ein verdammtes Manifest für alles, was ein Wirtshaus sein sollte.
Max Kaindl, 24. Februar 2025
Lesezeit etwa 3 Minuten
Zum Vaas – Das beste Gasthaus Bayerns?
Essen, das mit dem Vorschlaghammer kommt
Die Küche? Keine Fusion, kein Chichi, keine durchdeklinierte „New Bavarian Cuisine“, die das Schnitzel als luftiges Espuma servieren will. Hier gibt’s Essen, das kracht.
Der Schweinsbraten? Besser als bei deiner Oma. Und du weißt es. Saftiges Fleisch, eine Kruste, die lauter knackt als eine zerberstende Fensterscheibe. Das Schnitzel? Dünn, goldgelb, buttrig, so leicht, dass es sich wellt. Und dann diese Ochsenbäckchen… so zart, dass man ihn nicht schneidet, sondern nur schief anschauen muss, damit er zerfällt. Dazu Kartoffelknödel, bei denen selbst der Schwabe sagt: „Passt.“ Wo gibt es sowas noch?
Weinkarte oder versteckte Schatzkammer?
Jetzt wird’s wild. Die meisten Wirtshäuser haben entweder belanglosen Supermarktwein oder überteuerte Prestige-Bomber. Nicht so hier. Was hier in der Karte steht, ist eine Mischung aus feuchtem Traum und Schockstarre.
Klaus Peter Keller? Check.
DRC? Da.
Coche-Dury? Selbstverständlich.
Giacomo Conterno? Brauchst du noch fragen?
Und dann die Preise. Wer schon mal in München für eine Flasche Burgunder dreifaches Marktpreisniveau bezahlt hat, weint hier leise in sein perfekt temperiertes Glas. Das ist kein Nepp, kein Sammler-Schnickschnack – das ist ehrliche Weinkultur, kuratiert von jemandem, der Wein lebt.
Ich bestellte einen 2018er Barbera d’Alba von Giacomo Conterno. Wer diesen Namen kennt, weiß, dass er in einem Münchner Sternerestaurant für so eine Flasche das Doppelte hinlegen müsste – hier nicht. Ein fairer Kurs. Keine Spielchen. Dann das Glas. Erdig, nussig, mit diesem elektrischen Säurezug, der einen durchschüttelt. Und dazu die Ochsenbäckchen. Eine Kombination, die so verboten gut ist, dass sie in Bayern unter Denkmalschutz gestellt werden sollte.






Ein Gasthaus, das es so nicht mehr gibt. Warum nicht mehr davon?
Und jetzt mal im Ernst: Warum ist das nicht der Standard? Warum kriegt man in den meisten Wirtshäusern nur mittelmäßige Massenware serviert? Warum muss es erst ein unscheinbares Gasthaus in Forstinning sein, das zeigt, wie’s wirklich geht?
Das Gasthaus Zum Vaas ist eine Ode an die bayerische Küche, eine Liebeserklärung an die Weinkultur und ein Gegenentwurf zur immer gleichförmiger werdenden Gastronomie. Hier zählt nicht Instagram-Tauglichkeit, sondern Herzblut. Wer gutes Essen liebt, wer großen Wein zu fairen Preisen schätzt, wer echtes Wirtshausflair erleben will – der muss hierher.


