Meine diesjährige Pfalz-Tour begann bei Weingut Rings. So wie in den letzten Jahren auch. Irgendwann hat sich das fast schon ritualisiert: Januar, Keller, Fässer, Gespräche. Kein Release-Trubel, keine fertigen Antworten. Sondern Weine im Werden. Dieses Mal lag der Fokus klar auf den Rieslingen 2025. Extrem jung, extrem roh, extrem unfertig. Und genau deshalb so spannend für mich. Nach der ausführlichen Fassprobe gab es noch frisch zusammengestellte Cuvées der beiden Chardonnays Kalk & Stein sowie Vieilles Vignes aus 2024 und anschließend Spätburgunder von Gutswein bis Lage, ebenfalls 2024. Ein langer, intensiver Vormittag. Und einer, der mir wieder sehr klar gemacht hat, warum ich diese frühen Besuche im Jahr so schätze.
Max Kaindl, 25. Januar 2025
Lesezeit etwa 5 Minuten
warum das Verkosten unfertiger Weine mehr über Menschen als über Weine verrät

Warum Fassproben selten fair beurteilt werden können
Die Frage liegt auf der Hand: Wie zeigen sich die 2025er Rieslinge bei Rings?
Die ehrliche Antwort: Diese Frage greift zu kurz.
Wir neigen dazu, Weine viel zu früh einzuordnen. Zu bewerten. Zu labeln. Dabei sind Fassproben genau das: Momentaufnahmen. Rohmaterial. Wer daraus Prognosen zimmert, macht es sich zu leicht und greift nur allzu schnell und leichtsinnig daneben. Für mich ist das ein bisschen so, als würde man ein sechsjähriges Kind, das gerade eingeschult wurde, zehn Minuten beobachten und dann prognostizieren wollen, welchen Beruf es später einmal ausüben wird. Klingt absurd? Ist es auch. Der Denkfehler liegt auf der Hand. Und trotzdem machen wir das mit Wein ständig.
Deshalb gibt es von mir diesmal bewusst keine detaillierten Verkostungsnotizen zu den 2025ern. Nicht, weil es nichts zu sagen gäbe. Ganz im Gegenteil. Sondern weil es der falsche Zeitpunkt wäre. Viel spannender war für mich wieder die Frage: Mit wem stehe ich hier eigentlich im Keller?








Andy Rings: Denken in Struktur, nicht in Effekten
Ich kenne in der deutschen Weinszene kaum jemanden, der Wein technisch so durchdringen kann wie Andy Rings. Ein Wein wird gedanklich zerlegt, analysiert, verstanden und anschließend mit den richtigen Werkzeugen neu zusammengesetzt. Weinbergsarbeit, Erntezeitpunkt, Pressung, Gebinde, Ausbau. Alles greift ineinander. Nichts ist Zufall, nichts Selbstzweck. Und ja: vinifiziert wird bei Rings immer gemeinsam mit seinem Bruder Steffen. Auch wenn ich bisher meist mit Andy verkostet habe, ist klar, dass diese Weine das Ergebnis eines gemeinsamen Denkens sind.
Ich habe bei meinen Besuchen hier schon viel gelernt. Jedes Jahr nehme ich neue Gedanken mit nach Hause. Letztes Jahr wurde mein eigenes Verständnis von Riesling-Ausbau einmal komplett neu sortiert. Wen das interessiert, dem lege ich meinen Artikel von damals ans Herz. Er erklärt viel von dem, was heute bei Rings passiert.









Feinschliff auf Weltklasse-Niveau
Auch dieses Mal war ich wieder beeindruckt, wie akribisch, ja fast schon besessen, Andy und Steffen am Feinschliff arbeiten. Besonders deutlich wurde mir das beim 2024er Vieilles Vignes Chardonnay. Winzige Ernte. Zwei Fässer. Mehr Spielraum gibt es nicht. Der Wein hat mich spontan begeistert. Und dann erklärt Andy mir detailliert, was ihn daran noch nicht zufriedenstellt. In einer Tiefe, die man nur erreicht, wenn man kompromisslos weiterdenken will.
In diesem Moment wurde mir wieder klar, wohin die Reise bei Rings geht. Nicht einfach an die deutsche Spitze – dort sind sie längst angekommen. Sondern weiter. International. Auf Augenhöhe mit den Großen. Dieser Anspruch ist spürbar. Und er ist ehrlich. Vielleicht fehlt uns dieses große Denken manchmal in der deutschen Weinwelt. Vielleicht liegt das nicht in unserer Natur. Umso bemerkenswerter ist es, wenn jemand diesen Weg trotzdem geht.
Wenn ich heute darüber nachdenke, welches Weingut in Deutschland langfristig das Potenzial hat, Riesling, Chardonnay und Spätburgunder gleichzeitig auf höchstem Niveau international zu verankern, dann kommt man an Rings kaum vorbei. Dazu noch die Bordeaux-Blends. Diese Breite bei dieser Qualität ist extrem selten.
Und die 2025er Rieslinge?
Die behalte ich mir erst einmal für mich. Ich möchte meine Eindrücke über das Jahr hinweg mit den gefüllten Weinen abgleichen. Schauen, was sich bestätigt. Was sich verändert. Was sich vielleicht ganz anders entwickelt. Und genau darüber werde ich berichten.
Denn manchmal ist es klüger, nicht sofort alles niederzuschreiben. Sondern erst einmal zuzuhören.











