Das Weingut Maximin Grünhaus: Eine Legende an der Ruwer. Im Jahr 966 erstmals erwähnt, gehörte es noch zum Benediktinerkloster St. Maximin in Trier, bis es nach der Französischen Revolution säkularisiert wurde. Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg erwarb Maximin Grünhaus im Jahr 1882 und legte den Grundstein für den heutigen Ruhm des Weinguts. Heute wird es in der sechsten Generation von Maximin und Amelie von Schubert geführt. Während ihre Grand Cru Rieslinge seit Jahrzehnten viel Aufmerksamkeit erregen, schafften sie nun eine weitere Sensation. Der Verband VDP.Mosel-Saar-Ruwer entschied, dass der Grünhäuser Pinot Noir aus dem Abtsberg als erster an der Mosel die Bezeichnung VDP.GG tragen darf.

Max Kaindl, 12. Mai 2024
Lesezeit etwa 5 Minuten

Abtsberg Pinot Noir GG:
Premiere an der Mosel

Ende April war ich auf dem renommierten Weingut Maximin Grünhaus zu einer einmaligen Veranstaltung eingeladen – der Präsentation des ersten Pinot Noir VDP.GROSSES.GEWÄCHS (GG) in der Moselregion. Auf der kleinen exklusiven Gästeliste fand ich mich unter internationalen Weinhändlern, Top-Sommeliers, renommierten Weinkritikern und Autoren wieder. Voller Vorfreude, aber auch mit einem etwas nachdenklichen Gefühl, machte ich mich auf den Weg an die Ruwer. Und warum? Nun, zum einen wurden viele Weinregionen in Deutschland nur wenige Tage zuvor von zum Teil verheerenden Frostnächten heimgesucht, darunter auch Maximin Grünhaus an der Ruwer. um anderen, hatte ich Pinot Noir von der Mosel bisher nur selten im Glas. Ich wusste also nicht, was mich erwarten würde.

Grünhäuser Pinot Noir GG Premieren-Lunch

Meine Bedenken verflogen schnell, als mich Maximin und Amelie von Schubert herzlich mit einem Glas 2021er Abtsberg Riesling Kabinett aus der 3L Jeroboam Flasche begrüßten. Die Veranstaltung fand im historischen Gutshaus des Weinguts statt. Eine beeindruckende Kulisse passend zu diesem besonderen Anlass.

Maximin von Schubert führte uns durch insgesamt vier spannende Wein Flights:

Riesling Fusion in der Vertikale(2009, 2011, 2015, 2017, 2020)
Pinot Noir der eleganteren Jahrgänge(2010, 2011, 2015, 2016, 2022 1G)
Pinot Noir der konzentrierteren Jahrgänge(2012, 2017, 2019, 2020, 2022 GG)
Abtsberg Riesling Auslese in der Vertikale(1989 Nr. 137, 1993 Nr. 83, 2009 Nr. 149, 2010 Nr. 21, 2018 Nr. 88)

Zu jedem Flight zauberte das Team aus der Schlemmereule in Trier, rund um den talentierten jungen Koch, Johannes Kneip, eine perfekt abgestimmte Essensbegleitung. Welch leise und doch substanzreiche Gerichte. Zurückhaltend und doch stets präsent. Ganz ohne chichi. So macht Fine Dining Spaß.

Die Enstehung des Grünhäuser Pinot Noirs

Begleitend erzählte Maximins Vater, Carl von Schubert, die ein oder andere spannende Anekdote zur Geschichte des Pinot Noirs auf Maximin Grünhaus. Dieser lies im Jahr 2007 nach längerer Überlegung die ersten Pinot Noir Klone auf einem Hektar im Kernstück des Grünhäuser Abtsbergs pflanzen. 008 folgten weitere 0,4 Hektar im Herrenberg. Mit dem Jahrgang 2010 kam der Grünhäuser Pinot Noir dann erstmals auf den Markt. Nach 12 Jahren war es mit dem Jahrgang 2022 dann soweit. Der Verband VDP.Mosel-Saar-Ruwer entschied, dass der Grünhäuser Pinot Noir aus dem Abtsberg als erster an der Mosel die Bezeichnung VDP.GG tragen darf.

Pinot Noir an der Ruwer: Wahnsinn oder Geniestreich?

Doch wie kam es zu dieser rasanten Entwicklung? Denn 12 Jahre sind in der Zeitrechnung der Weinwelt ein Wimpernschlag. Sicherlich spielen hierfür mehrere Faktoren eine Rolle. Entscheidend ist die Symbiose aus einem visionärem Winzer, klimatischen Voraussetzungen und Weinbergspotenzial. Erstere ist dabei wohl die ausschlaggebende Komponente. Denn nur ein Genie oder wagemutiger Winzer würde es riskieren, eine der besten Parzellen seines für Riesling so weltberühmten Weinbergs, dem Abtsberg, mit Pinot Noir zu bestocken. Von nicht wenigen wurde Carl von Schubert für diese zunächst verrückt klingende Entscheidung anfangs belächelt.

Kommen wir zu den klimatischen Voraussetzungen. Auch an der Mosel macht sich der Klimawandel bemerkbar. Wo bisher vornehmlich Riesling angebaut wurde, wird es an den nach Süden ausgerichteten Schiefersteilhängen nun auch warm genug für Pinot Noir. Dennoch wird es dank der kühlen Nächte nicht zu heiß, sodass diese sehr empfindliche Rebsorte hier so ausgewogen reifen kann, dass die Feinheit und Zartheit der Sorte bewahrt werden kann.

Pinot Noir transportiert bei sorgfältiger Arbeit in Weinberg sowie Keller den Charakter einer Lage ähnlich gut wie Riesling. Das gilt auch für den Grünhäuser Berg. Doch warum ist nun dieser Berg und insbesondere die Lage Abtsberg so geeignet für Pinot Noir?

Das Mysterium des Weinbergs

Der Abtsberg ist zweifelsohne die renommierteste Lage von Maximin Grünhaus. Sein Untergrund besteht hauptsächlich aus bläulichem Devonschiefer. Die runde Kuppe dreht von Südost bis Südwest und erreicht eine Hangneigung von bis zu 75%. Im Zentrum dieser Kuppe befinden sich die besten Parzellen des Weinguts. Hier wachsen auch die Reben für das Abtsberg Pinot Noir GG. Der Boden ist tendenziell flachgründiger und skelettreicher als in der direkt angrenzenden Lage Herrenberg. Perfekt für Pinot Noir, da diese karge Böden bevorzugt. Bei der Verkostung konnte ich deutlich die ausgeprägte Würze und den mineralischen Charakter der Weine erkennen, die den Einfluss des Bodens deutlich widerspiegeln.

Die Rieslinge aus dieser 14 Hektar großen Lage gehören zu den langlebigsten der Welt. Ob dies auch für die Pinot Noirs gilt, wäre noch zu beweisen. Die nötigen Anlagen hierfür zeigten beispielsweise die verkosteten Pinot Noirs der Jahrgänge 2012, 2016 oder 2019.

Anpassung als Schlüssel zum Erfolg

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich der Pinot Noir Stil des Weinguts seit dem ersten Jahrgang 2010 deutlich weiterentwickelt hat. Die Jahrgänge bis 2017 sind zum Teil deutlich durch, für meinen Geschmack, etwas zu vordergründige Barrique Töne gekennzeichnet. Maximin von Schubert setzt seit ein paar Jahren auf wesentlich feinere französische Fässer und Tonnen mit Eichenholz aus seinem eigenen Wald, wie er mir bei einer kurzen Kellerführung erzählte. Und während die von Schuberts ihren Umgang mit Eiche verfeinern, gewinnen die Pinots an Fokus und Eleganz. 2019 und das im Herbst erscheinende 2022er GG waren hierfür glänzende Beispiele.

Während 2019 einen inneren Spannungsbogen zwischen Frische, Würze, rotem Fleisch, Kraft und Tiefe aufbaute, zeigte sich der als Fassprobe gereichte 2022er eine Stufe feiner, ätherisch, mit dunklen Tönen, Nachhall und animierender Saftigkeit. Nach diesen ersten vielversprechenden Eindrücken freue ich mich schon darauf, wie sich das dann gefüllte GG Ende August bei der VDP GG Präsentation in Wiesbaden zeigen wird.

Fazit

Das Weingut Maximin Grünhaus ist zweifellos ein Ort mit einer faszinierenden Geschichte und einer spannenden Zukunft. Die Premiere des ersten Mosel Pinot Noir VDP.GG markiert nicht nur einen Meilenstein für das Weingut, sondern auch einen bedeutenden Moment für die gesamte Region Mosel. Die frühzeitige Entscheidung, eine der besten Parzellen des Abtsbergs mit Pinot Noir zu bepflanzen, zeigt die visionäre Ausrichtung des Weinguts.

Nach der Verkostung war mein Eindruck, dass die reiferen und kraftvolleren Jahrgänge dem Grünhäuser Pinot Noir besser stehen, als die etwas kühleren. Hier zeigte sich, dass die Ruwer trotz klimatischen Veränderungen immer noch eine cool climate Region ist.

Ich bin gespannt darauf, wie sich der Pinot Noir aus dem Abtsberg weiterentwickeln wird und wie er sich im Vergleich zu den legendären Rieslingen des Weinguts behaupten wird. Es ist erfrischend zu sehen, wie Tradition und Innovation bei Maximin Grünhaus Hand in Hand gehen und dazu beitragen, die Mosel-Weinwelt weiter voranzubringen.

Leseempfehlung:
Wenn du mehr über die Geschichte von Pinot Noir an der Mosel erfahren möchtest, empfehle ich dir die Ausgabe Nr. 68 des Mosel Fine Wine Magazins. Jean Fisch und David Rayer geben einen beeindruckenden Überblick über dieses Thema. Christoph Raffelt hat zudem in seinem kürzlich erschienenen Artikel im Trink Magazine einen sehr lesenswerten Beitrag zum aktuellen Stand des Pinot Noir an der Mosel geschrieben.

Bilder: © The Art of Riesling – Maximilian Kaindl

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