Im Januar sitzen wir in der Villa Raumland, Jan stellt WongAmat und WongSiri 2024 auf den Tisch. Weine, die längst mehr sind als ein Nebenprojekt. Ich begleite die Weine seit dem ersten Jahrgang und hatte die 2024er nach den Fassproben im vergangenen Jahr noch ziemlich klar im Kopf. Genau deshalb war ich gespannt, wie sie sich jetzt abgefüllt zeigen würden. Wie präzise sind sie? Wie geschlossen? Und vor allem: Tragen sie diese Idee auch in der Flasche mit derselben Selbstverständlichkeit weiter wie die vorherigen Jahrgänge?

Max Kaindl, 22. Februar 2026
Lesezeit etwa 7 Minuten

WongAmat & WongSiri 2024
wenn Finesse kein Versprechen mehr ist, sondern Handschrift

Jans Philosophie

Wohl kaum jemand schafft es in Deutschland, Finesse, hohen Extrakt und Dichte so selbstverständlich miteinander zu verbinden wie Jan Raumland. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis eines extrem feinen Gespürs für Reben, Trauben und Timing.

Ich begleite Jan nun seit fünf Jahren regelmäßig während der Lese, bin oft bei ihm im Keller, in den Weinbergen, bei Fassproben. Ich kenne viele Winzer sehr gut. Aber kaum einer spürt Wein so wie er. Jan weiß, was eine Traube braucht und was nicht. Er greift ein, wo und wenn es nötig ist und lässt laufen, wo es sinnvoll ist. Dieses Gespür ist selten. Und es wird bei ihm von Jahr zu Jahr präziser.

Jan arbeitet nicht nach dem Motto: “Ich mache Pinot wie Burgund” oder “Ich mache Riesling wie XY”. Er baut seine eigene Weinsprache. Das ist vielleicht das Beeindruckendste an WongAmat und WongSiri. Diese Weine wollen niemanden imitieren. Sie wollen nur sie selbst sein. Und das gelingt ihnen.

Was dazu gehört ist ein sehr bewusster Umgang mit der Rebe und Traube. Bei den Roten will er weder chaptalisieren noch aufsäuern. In 2024 resultierten diese Entscheidungen unter anderem in extrem niedrigen Alkoholwerten von teilweise 10,5%. Und dennoch vermisse ich in den Weinen keine Spannung, Tiefe, Dichte oder Komplexität. Bei den Weißen ist Aufsäuern für ihn ein Thema aber nur dort, wo es dem Gleichgewicht dient.

Jan spielt konsequent am Limit, aber nie darüber. Er sucht die Spannung zwischen Reife und Frische, zwischen Extrakt und Leichtigkeit. Genau diese Grenzarbeit macht die Weine so lebendig und aus meiner Sicht einzigartig in der deutschen Weinwelt.

Was aus meiner Sicht viele unterschätzen? Diese Art von Balance ist extrem schwer zu erreichen. Sie entsteht nicht dadurch, dass man Ecken abschleift. Sie entsteht dadurch, dass man früh genug die richtigen Entscheidungen trifft. Im Weinberg. Im Lesefenster. In der Extraktion. In der Wahl der Gebinde. Und dann im Keller. Durch sehr viel Geduld und sehr wenig Ego.

Das Tasting

Die Präsentation selbst war typisch Jan. Keine großen Reden, kein “das müsst ihr jetzt feiern”. Eher: “Probier mal. Sag mir, was du denkst.” Und dann dieses leise, sehr präzise Nachschieben von Kontext. Warum er das so gemacht hat. Warum er hier länger gewartet hat. Aber auch warum er dort nicht mehr Extraktion wollte. Oder warum das Holz genau so gewählt wurde.

Ich mag das. Weil es zeigt, dass sich Jan nicht hinter Storytelling versteckt, sondern hinter Entscheidungen steht.

Meine Tasting Notizen

Die Weißen – WongSiri 2024

WongSiri Rosengarten Riesling 2024

Ein einmaliges Projekt. Die Reben wurden direkt nach der Lese gerodet. Und man merkt, dass Jan diesen Wein nicht gemacht hat, um “auch mal Riesling” zu machen. Ich war im Herbst wenige Tage vor Lese im Weinberg gestanden und habe die Trauben verkostet. Selten hatte ich derart aromatische, auf den Punkt Reife Trauben im Mund.

Der Wein zeigt sich aktuell reduktiv, verschlossen, rassig. Jodig, extrem salzig, frisch. Er hat diesen Zug, diese vertikale Spannung, die fast mehr an kargen Fels erinnert als an klassische Rieslingaromatik. Elegant, filigran, sehr lang, mit leicht grünlichem Finish. Für den Moment noch eher ein Versprechen als eine Erzählung. Aber genau deshalb groß. Dieser Riesling braucht Zeit. Und er wird mit Zeit gewinnen.

Anmerkung: Er hat sich in den letzten 6 Monaten auf der Flasche bereits enorm entwickelt.

WongSiri Rosengarten Chardonnay 2024

In der Nase kräftig, straff, ultra salzig. Und ja: nervig. Dieses “saure grüne Apfelringe”-Ding trifft es perfekt. Spannung bis in die Haarspitzen. Neues Holz ist da, aber es sitzt wie ein Maßanzug. Aromatisch dominieren hier eher die weißen Früchte. Tief, dicht, extrem lang und komplex am Gaumen. Ohne Luft wirkt er zu sehr wie ein verschlossener Tresor. Mit Luft: ein Statement für deutschen Chardonnay.

Die Roten – WongAmat 2024

WongAmat Vogelsang Spätburgunder 2024

Klar, präzise, rote Beeren. In der Nase sehr fein, fast zart. Mit Luft wird er fleischiger, tiefer. Am Gaumen leicht reduktiv, saftig, beerig, hohe Säure, schlanker fester Körper. Zarte Tannine, rauer als Bürgel. 10,5% Alkohol, alte deutsche Ritterklone, viel Extrakt und Ausdruck. Hier zeigt sich Jans einzigartige Handschrift: Leichtigkeit ohne Leere. Mit Luft dunkler, etwas rauer, fruchtbetonter. Trinkfluss. Gefährlich gut.

WongAmat Bürgel Spätburgunder 2024

Verschlossen, leise, zart. Ein Hauch, so zart und fein wie eine Feder. Die Inkarnation von Finesse und Leichtigkeit. Dann diese betörende rote Beerenfrucht, leicht süßlich wirkend (wohl bedingt durch den hohen Extrakt), obwohl trocken. Dunkel, komplex, rassig, mit lebendiger Säure. Filigran und leicht, aber mit einem dichten Kern, der alles trägt. Unfassbar fein. Das ist einer dieser Weine, bei denen man irgendwann aufhört, Notizen zu schreiben, weil es lächerlich wirkt. Dieser Bürgel lässt einen sprachlos zurück.

WongAmat Rosengarten Spätburgunder 2024

Präsenter in der Frucht als Bürgel, intensiver, würziger. Nicht ganz so fein, etwas gröber gebaut, aber immer noch auf sehr hohem Niveau. Feines Tannin, leicht fleischig, salzig. Jetzt zugänglicher, weniger komplex als Bürgel. Ein Wein, der jetzt schon viel Spaß macht.

WongAmat Herzogenberg Cabernet Franc 2024

Würzig, grüne Paprika, sehr typisch Cabernet Franc. Grüne Phenolik, klar, präzise. Saftig, gut strukturiert, poliertes, aber präsentes Tannin. Lang, fein, mit guter Dichte. Cab Franc ernsthaft gedacht.

WongAmat Euphancholie No. 3 (Solera Cuvée)

Dicht, saftig, erdig. Dunkle dichte Beerenfrucht, würzig, rau, leicht blutig, fleischig. Komplex, mit leicht trocknendem Tannin. Super Balance, aber: braucht Zeit. Das ist ein Wein, der nicht auf Charme setzt, sondern auf Tiefe. Euphancholie schreit förmlich nach Essen als Begleitung.

Zur Einordnung des Jahrgangs 2024

Die roten Weine zeigen sich in 2024 von einer bemerkenswerten Finesse und Eleganz. Schlanker als sein Benchmark-Jahrgang 2022, aber niemals dünn. Leichtigkeit ohne Beliebigkeit. Und trotzdem strahlt die Identität von WongAmat klar durch.

Die weißen Weine muss man anders lesen. Der Riesling ist der erste und vorerst einzige unter WongSiri. Ich stand dieser Idee anfangs ehrlich gesagt skeptisch gegenüber. Doch der Wein wird mit jedem Glas klarer, strahlender, selbstbewusster. Er braucht Zeit, keine Frage. Aber er zeigt bereits jetzt, wohin die Reise geht. Chardonnay hatte Jan bereits 2022 vinifiziert. Eigentlich wollte er sich ausschließlich auf Pinot Noir konzentrieren. Es kam anders. Zum Glück.

Mein Fazit

Mit dem nun vierten offiziell releasten Jahrgang beweist Jan endgültig, dass er mit WongAmat eine Spätburgunder-Stilistik geschaffen hat, die in Deutschland einzigartig ist. Cabernet Franc und Euphancholie fügen sich nahtlos ein. Perfekte Reife. Dezentestes, perfekt integriertes Holz. Weine ohne Ecken und Kanten und dennoch voller Ausdruck. Trinkfluss für Götter. Still. Präzise. Groß gedacht.

Jan Raumlands 2024er bestätigen mehr denn je, dass er eine der überzeugendsten, eigenständigsten und stilistisch klarsten Signaturen in der deutschen Weinwelt hat.

Bilder: © The Art of Riesling – Maximilian Kaindl

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